Kurzfassung der Webseite: BIBLIOTHECA PALATINA

Sie haben entweder die falsche Flashversion oder kein Flash-Plugin installiert oder aktiviert.
Möchten Sie die vollständige Webseite sehen, benötigen Sie das Flash-Plugin

Get Adobe Flash player

AKTUELLES

Vatikan Shop
Wissenschaftsatlas

Der Wissenschaftsatlas der Universität Heidelberg. Zum Bestellformular


Artzney Buch

Die Transkription: Das Heidelberger Artzney Buch 1568, dazu passend: Naturprodukte nach Rezepten von Christoph Wirsung. ...mehr.

Das Artzney Buch von Christoph Wirsung

Artzney Buch von Christoph Wirsung

Zu den berühmtesten und besten Nachschlagewerken dieser Art gehört zweifellos das 1568 zuerst von Johann Mayer in Heidelberg gedruckte "Artzney Buch" des Christoph Wirsung, der dem Publikum seiner Zeit bereits im Titel verspricht, mit seinen Rezepten und Hinweisen "so wol dem armen gemainen Mann mit geringen sachen / als dem reichen zu huellf" zu kommen. Gewidmet war das Werk seinem "genedigsten" Herrn, dem in Heidelberg residierenden Pfalzgrafen Friedrich III., "des heiligen Roemischen Reichs Erztruchsaeß und Churfürst, Hertzog in Bayern". Und dies kam nicht von ungefähr, wurden doch gerade im Heidelberger Schloss jener Zeit die einfache Medizin und bewährte, erprobte Rezepte, nicht die aus den gelehrten Folianten der "medizinischen Professores" unten in der Stadt, geschätzt und gepflegt. Von überall her, nicht zuletzt aus den reichen Rezeptsammlungen des Heidelberger Hofs, hatte Wirsung so seine Rezepte gesammelt und ins "Teutsch" übersetzt. Wirsungs Vorrede an Kurfürst Friedrich III. (1559/76) kann man entnehmen, dass das "Artzney Buch" auf einer lateinischen Textsammlung beruht, die von Wirsung im Laufe von 46 Jahren, darunter zum wenigsten 25 Jahren, in "Apotecken bey grossen Reichstagen da frembde und" hochgelehrte aller Nationen zusammen kommend, angelegt worden war. Die gewaltige Textmasse ist nach herkömmlichem Aufbauschema a "capite ad calcem" gegliedert und setzt sich hauptsächlich aus Anweisungen zur medikamentösen Therapie menschlicher Krankheiten und diätetischen Vorschriften zusammen. Wache Rücksichtnahme auf die Adressaten: "der gemeine Mann" bzw. "alle Haußnatter, sonderlich so auff dem Land sitzen / weder Artzet noch Apotecken / bey sich habend", verrät überdeutlich Wirsungs Bemühen, nicht nur über eine kostspielige "Reichenartzney" zu informieren, sondern auch über geringe Arzneien für den armen gemeinen Mann. Paracelsisches Lehrgut fehlt. Es ist also ein Hausväterbuch der einfachen, anwendbaren Medizin, das uns hier präsentiert wird und dem Leser auf 933 Seiten vom Scheitel bis zur Ferse seinen Körper erklärt und für nahezu alle Störungen und Krankheiten dieses Körpers ein Mittel weiß und leicht verständlich erklärt.

Der Apotheker Christoph Wirsung

Wer war sein Verfasser? Christoph Wirsung wurde als Sohn des Kaufmanns und Buchdruckers Marcus Wirsung, vermutlich im Jahre 1500, in Augsburg geboren. Wo er die Arzneikunst gelernt, also Medizin studiert hat, wissen wir nicht, dass er sie aber auf der Höhe seiner Zeit beherrschte, ist sicher. Nach mehrjährigem Aufenthalt in Venedig kehrte Wirsung in seine Vaterstadt zurück, ehelichte dort 1534 Anna von Furtenbach und betätigte sich als Prediger, Apotheker und Ratsherr (seit 1543). In Augsburg gehörte er auch dem Lehrkörper des St. Anna-Gymnasiums an und förderte die gelehrten Bestrebungen des Humanistenkreises um Sixt Birck (Xitus Betuleius). Wirsung trat auch als Schriftsteller hervor, übersetzte den tragischen Roman von Calixt und Melibia aus dem Italienischen, aber auch die berühmten Apologen des Bernadino Ochino, die sich scharf mit den Missständen in der katholischen Kirche jener Zeit auseinandersetzten und schuf mit seinem kritischen Text "Zuo dem Bastardischen Christenthumb" sogar das erste deutsche Sonett. Spätestens 1562 siedelte Wirsung nach Heidelberg über und lebte dort als privater Gelehrter bis zu seinem Tod im Jahre 1571. Von den zeitgenössischen akademischen Ärzten und anderen Kritikern der medizinischen Popularisierung wurden die volkstümlichen "Artzneybücher" häufig verlacht oder mit grösster Skepsis bedacht. Man fürchtete, so etwa der berühmte Paracelsushasser Claudius Deodatus, dass aus ihnen dem Leser nur "wenig nutz, wo nicht mehr oft grosser Schaden entspringe" und dass durch sie, wie er 1598 drastisch beklagte, der "schöne Lustgarten der Medizin" all zu leicht "jedem Schwein" eröffnet werde. Das Urteil des Deodatus kennzeichnet die übliche Haltung der Schulmedizin des 16. Jahrhunderts gegenüber deutschsprachigen Arzneibüchern, die den "gemeinen" Mann von der Autorität des professionellen Arztes und Apothekers entbanden und zur Selbstmedikation befähigten. Mehrheitlich vermochte der Ärztestand in diesen Vor- und Frühformen medizinischer Aufklärungsschriften nichts anderes als eine Hauptquelle allen laienmedizinischen Pfuschertums und aller "Mord-Curen" der Außenseitermedizin zu erblicken. Über den Widerstand der lateingebundenen Fachelite setzte man sich jedoch zunehmend hinweg und schuf für Menschen, denen wirtschaftliche oder geographische Gründe den Gang zum Schulmediziner verwehrten, eine zur medizinischen Selbsthilfe anleitende Arzneibuch-Literatur. Dieser, unter den gelehrten Hochschulmedizinern weit verbreiteten Skepsis, stand der Erfolg des Wirsungschen Arzneibuchs diametral entgegen. Zwischen 1568 und 1627 erlebte sein Werk mindestens 15 verschiedene Auflagen in den wichtigsten europäischen Nationalsprachen der Zeit. Herausgeberisch betreut wurde es von so namhaften Ärzten wie J. Theodor, genannt Tabernaemontanus (1577), und Peter Uffenbach (1605). Trotz seines kostenträchtigen Umfangs blieb es weit in das 17. Jahrhundert auf dem Druckmarkt präsent. Wirsungs Artzney Buch wurde vom Leibarzt des Landgrafen Moritz von Hessen-Kassel, Jacob Mosanus (1564), ins Englische übersetzt und machte Wirsungs Namen und seine "Medizin für den gemeinen Mann" weit über das deutsche Sprachgebiet hinaus bekannt. Man schätzte es als den bedeutenden wenn nicht einzigen gesundheitlichen Ratgeber in allen Fragen des Leibes und richtete sein Leben mit ihm ein.

Apotheker Christoph Wirsung

Die Wegführung der Bibliotheca Palatina

Die jahrhundertelange Aufbauarbeit der Heidelberger Bibliotheken wurde als Folge des böhmischen Abenteuers zunichte gemacht. Im Oktober 1621 ordnete Friedrich V. aus dem Exil an, Archiv und Bibliothek zu bergen. Tatsächlich konnte aber nur das Archiv in Sicherheit gebracht werden. Maximilian I., der über seine Truppen direkten Zugriff hatte, überließ die berühmten Heidelberger Bibliotheksbestände Papst Gregor XV. und stellte eigene Begehrlichkeiten zurück. Begründet wurde die Inbesitznahme der Bücher von dieser Seite zweifach. Zum einen sei die Bibliotheca Palatina durch Beschlagnahmung von Klosterbibliotheken entstanden. Tatsächlich fanden sich hier Anteile dieser Art, beispielsweise die Bibliothek des Benediktinerklosters Lorsch. Zum anderen sollte den Protestanten ihre geistige Rüstkammer, "ihr Armarium", entzogen werden. Aus dem Vatikan wurde der Gräzist Leone Allacci (1586–1669) an den Neckar entsandt, wo er im Dezember 1622 ankam. Er wählte Bücher aus der eigentlichen Bibliotheca Palatina, aus anderen universitären Sammlungen, aus der nach Ottheinrichs Tod wieder neu aufgebauten Schlossbibliothek sowie sogar aus der privaten Büchersammlung von Janus Gruter aus. Für seinen eigenen Gebrauch stellte er 12 Kisten zusammen. Vor dem Transport nach Rom wurde aus Gewichtsgründen ein großer Teil der Einbände entfernt; die Deckel sollen ein Gesamtgewicht von mehr als 200 Zentnern gehabt haben. Davon ausgenommen waren schlichte Pergamentumschläge, sogenannte Koperte, sowie fürstliche Prachteinbände wie die für Ottheinrich geschaffenen. Auch der Plunioneinband des Wirsungschen Werks gehört zu dieser Gruppe. Insgesamt traten etwa 3.500 Handschriften, darunter etwa 2.000 lateinische und 850 deutsche, sowie wahrscheinlich etwa 15.000 Drucke die Reise an. Der Transport begann im Februar 1623. Die Bücher waren in Holzkisten verpackt worden, die unter anderem aus den Kirchenbänken der Heiliggeistkirche hergestellt worden waren. In München wurden die Bestände umgepackt. Maximilian I. ließ sie zum Teil mit einem Beuteexlibris versehen, das das einzelne Buch als von ihm eroberte und dann dem Papst geschenkte Trophäe markierte. Der Transport traf im August 1623 in Rom ein; Papst Gregor XV. war zwischenzeitlich gestorben. Entsprechend einer Bitte von Maximilian I. wurden die Palatina-Bestände weitgehend gesondert aufgestellt. Papst Urban VIII., Nachfolger von Gregor XV., ließ einen eigenen Bibliothekssaal für diese Sammlung reservieren. Hier blieb die Palatina von 1624 bis wohl in die Mitte des 19. Jahrhunderts. Die weitgehende Unzugänglichkeit, die erst ab dem späten 18. Jahrhundert langsam überwunden werden konnte, war entscheidend für die hervorragende Erhaltung der Bestände.

Wegführung der Bibliotheca Palatina

Dr. Armin Schlechter, Oberbibliotheksrat des Landesbibliothekszentrums Rheinland-Pfalz und der Pfälzischen Landesbibliothek Speyer, hat den wissenschaftlichen Kommentar zur Geschichte der kurpfälzischen Bibliotheca Palatina erstellt.

Der Buchbinder und Künstler Guillaume Plunion

Guillaume Plunion hat im Jahre 1571 diesen Prachteinband hergestellt und Wirsungs Artzney Buch darin eingebunden. Christoph Wirsung schenkte dieses Exemplar Kurfürst Friedrich III. Seit dem offenen Bekenntnis Kurfürst Friedrich III. zur kalvinistischen Glaubenslehre war die Kurpfalz zu einem Fluchtort der aus Frankreich vertriebenen Hugenotten geworden. Zu diesem Kreis gehörte auch jener Plunion, der von Speyer aus einen Buchhandel in Heidelberg eröffnet hatte. Am Ende des Jahres 1569 hatte sich Guillaume Plunion in Heidelberg niedergelassen, er wird 1573 ausdrücklich als Relieur de Monseigneur Electeur bezeichnet. Was er aus Frankreich mitbrachte, war der reine ornamentale Stil, die Verwendung von Gold auf bestem Leder oder Pergament, der farbige Auftrag von Lack, und die neuen Kompositionsformen der Einzelstempel. Es war ein vollkommen neuer Stil in der pfalzgräflichen Buchbindekunst, wogegen sich die alteingesessnen Buchbinder heftig wehrten. Der Stil seiner Einbände lässt darauf schließen, dass er in Paris von dem sogenannten Max Fugger-Meister ausgebildet war, der wahrscheinlich mit Claude de Picques identisch ist. Er war ein anerkannter Meister seiner Kunst. Der Einband ist reich mit rot, blau- und silbergrau lackiertem Bandwerk verziert, das eine rollwerkartige Kartusche bildet und das Mittelfeld ausfüllt. Plunion schmückte den glatt gearbeiteten Rücken aufwendig mit Arabeskenmuster, Stempelgruppen und abschließenden Vierpassbordüren.

Buchbinder und Künstler Guillaume Plunion

Heidelberg, Universitätsstadt und Hauptstadt der Kurpfalz (Stich von Mattheus Merian 1620). Hier verfasste Christoph Wirsung sein „Artzney Buch“ und Johann Mayer druckte es. Es wurde Bestand der Bibliotheca Palatina.

Das Original und dessen Bedeutung

Original und dessen Bedeutung

Das Original stellt ein bibliophiles Werk ersten Ranges dar. Der Heidelberger Apotheker Christoph Wirsung beschreibt auf 933 Seiten in großen Umfang die Medizin des 16. Jahrhunderts für den "gemeinen Mann". Guillaume Plunion hat das Werk einmal in den dargestellten Prachteinband eingebunden und an Kurfürst Friedrich III. 1571 übergeben. Als Folge wird Plunion am Hof des Kurfürsten als „Relieur de Monseigneur Electeur“ bezeichnet. Das Bindejahr 1571 ist auf dem bemalten Goldschnitt eingepunzt. Der Einband ist eine der großen Arbeiten Guillaume Plunions aus der Zeit, in der er in Heidelberg tätig war.

Original und dessen Bedeutung

Prachteinband von Guillaume Plunion 1571, Buchgröße: 33 x 21 cm, (Biblioteca Apostolica Vaticana, Stamp. Pal. II 491)

Designer

Designer

Dem Designer Peter Mack und seinem Assistenten Christoph Staudt ist es gelungen, dieses Juwel der Buchkunst aus der Biblioteca Apostolica Vaticana als Faksimile herzustellen.

Herstellung

Das verwendete Leder und dessen Farbe

Hier ist es notwendig, das gleiche Leder zu benutzen, das auch beim Original verwendet wurde (-> Kalbsleder). Es muss prägefähig und vegetabil gegerbt sein. Chromgegerbtes Leder ist ungeeignet. Zunächst wurde versucht, das Leder mit Spritzfarbe einzufärben. Diese Herstellung war jedoch nicht möglich, da die Spritzfarbe sozusagen „aufgezogen“ hatte. Spezialisten für Farben sagen dazu, es „blutet“ in den Ledergrund und nimmt diese Farbe auf. Es verfälscht die Farbe. Schließlich wurde eine Fassfärbung durchgeführt, die das Leder mit Beizstoffen nach alter Methode durch und durch einfärbt.

Papier

Das verwendete Papier ist hadernhaltig, und in die Anfangs- und Endseiten der Faksimileausgabe ist aus Sicherheitsgründen das Zeichen des Vatikans, die Schlüssel Petri, als Wasserzeichen eingearbeitet.

Papier

Die Goldschnitte werden für die Faksimileausgabe vergoldet (23-Karat), bemalt und mit Hand punziert.

Vergoldung der Faksimileausgabe

Vergoldung der Faksimileausgabe

Das Gold wurde nach Vorlage des Originals passgenau auf das Leder des gesamten Einbandes zwischen die Farben aufgeprägt. Für das Prägen des Buchrandes wurde eine spezielle Goldprägemaschine entwickelt und gebaut. Sie kam erstmals bei der Faksimileherstellung zur Anwendung. Die Verzierung der Bucheinbandinnenseite ist mit einem Prägeklischee ebenfalls in 23-Karat Gold ausgeführt. Auch der Goldschnitt des Buchblocks wird mit 23-Karat-Goldprägung durchgeführt. Er ist nach dem Original mit Siebdruck im Körperdruck bedruckt. Der Buchblock wird wie das Original mit der Hand punziert.

Reprographie

Reprographie

Christoph Staudt, geboren 1989, hat seine schon vorhandenen Kenntnisse bezüglich Computertechnik und Reprographie bei dem vorliegenden Projekt eingebracht und angewendet. Er hat damit wesentlich zum Gelingen der Herstellung der Faksimileausgabe beigetragen, insbesondere durch die Digitalisierung der zuvor von Hand ausgeführten Entwürfe für die notwendigen Farbdrucke und der Klischeeherstellung.

Qualitätsmerkmale